Kleiner Hund hat viel Glück gehabt
7. August 2014
Tierheim AktuellAktuelles von unseren Hunden
Britta Lohmeyer (links), Leiterin des Tierheims Lübbecke, zeigt gemeinsam mit Tierpflegerin Sina Rieckhoff die Utensilien, mit denen »Odin« ausgesetzt worden ist: Eine kleine Rolleine, zwei Näpfe und eine Wasserflasche. Foto: Michael Nichau
Von Michael Nichau | Westfalenblatt
Rahden (WB). Er hat Glück gehabt: Samstag morgen ist »Odin« gerettet worden. Der kleine Pinscher-Terrier-Mischling ist in einem Gehölz am Kolbus-Mitarbeiterparkplatz in Rahden gefunden worden. Dort fanden die Tierschützer den niedlichen Vierbeiner an einen Baum gebunden vor.
Auf den Hund aufmerksam geworden ist Familie Bremermann. Günter Bremermann wohnt nur knapp 100 Meter Luftlinie entfernt an der Straße »Schäferwiese«. »Wir haben etwa an drei Tagen Bellen gehört. Die Vermutung lag nahe, dass sich ein Nachbar einen Hund zugelegt haben könnte«, berichtete er dieser Zeitung.

»Als nach drei Tagen das Hundegebell – meist morgens – nicht aufhörte, machte sich meine Frau auf die Suche und fand den kleinen Hund in dem Gehölz neben dem Parkplatz an einen Baum gebunden vor«, sagt Bremermann. Dabei ist das Gehölz nicht vom Parkplatz selbst zugänglich, sondern nur über einen Weg an einem Graben entlang.
An Baum angebunden
»Der Hund war mit einer Roll-Leine an dem Baum festgemacht, hatte sich aber schon mehrfach um den Stamm herumgedreht, so dass die Leine schon ganz schön kurz war«, berichtete er.
Doch der Hund war nicht allein dort angebunden worden: Zwei Näpfe mit Futter und Wasser standen daneben. Auch eine Flasche mit Trinkwasser hatte jemand dort gelassen.
»Der Hund muss aber schon mehrere Tage dort angebunden gewesen sein, denn er hat sich Löcher gescharrt. Meist hat das Hundegebell um sechs Uhr morgens eingesetzt. Bremermann vermutet, dass zu dieser Uhrzeit jemand das Tier versorgt hatte. »Das sind aber alles nur Spekulationen«, sagte er. Als am Samstag deutlich wurde, dass der Hund ausgesetzt worden war, rief der Rahdener das Tierheim Lübbecke an, erreichte aber niemanden. Daraufhin wandte er sich an die Polizei in Espelkamp. Die wiederum verständigte die Lübbecker Tierschützer, die auch prompt den Vierbeiner abholten und in ihre Obhut ins Tierheim nahmen.
Der kleine und freundliche Hund wurde inzwischen auf den Namen »Odin« getauft. Sechs bis acht Jahre alt schätzt ihn Tierarzt Holger Gesing aus Wulferdingsen. Er behandelt die Tiere in der Lübbecker Einrichtung und hat sich »Odin« genau angeschaut: »Keine Zeichen von Verwahrlosung«, sagt er über den schwarzen Vierbeiner mit brauner Zeichnung.
Zutrauliches Tier
Bei der Untersuchung hat Tierpflegerin Carina Buschmann »Odin« betreut und gehalten. Zwar musste er dabei einen Maulkorb tragen, doch ließ der Hund die Prozedur und die erste Impfung im Tierheim geduldig über sich ergehen. »Er ist trotz der drei Tage im Gehölz in gutem Zustand«, sagte der Tierarzt. Um so einsamer schien der Hund zu wirken, als er wieder allein in den Zwinger musste. »Es ist nicht zu verstehen, dass man so ein Tier aussetzen muss«, sagt Britta Lohmeyer, Leiterin des Tierheimes. »Unbegreiflich.« Denn: Normalerweise können die Tiere in Notsituationen auch direkt bei der Einrichtung abgegeben werden. »Wir stellen auch keine unangenehmen Fragen«, sagt sie.
Mit der Aussetzung des Tieres habe sich der Besitzer aber strafbar gemacht, betonte auch Sina Rieckhoff, Tierpflegerin. Daran würde auch die Versorgung des Hundes mit Nahrung und Wasser nichts ändern.
Britta Lohmeyer möchte jedenfalls herausfinden, woher der niedliche Vierbeiner stammt und weswegen er tatsächlich ausgesetzt wurde. »Es muss ja irgendjemanden geben, der den Hund kennt, der ihn vielleicht mit seinem Besitzer zusammen gesehen hat. Auch muss das Tier ja mit Auto oder Fahrrad zu der Stelle am Parkplatz transportiert worden sein. Vielleicht hat ja jemand irgendetwas beobachtet«, hofft sie auf Hinweise.
»›Odin‹ wird sicherlich schnell ein neues Zuhause finden«, ist sich die Leiterin des Tierheimes sicher. Denn: Den kleinen Fund-Hund haben schon alle Mitarbeiter der Einrichtung spontan ins Herz geschlossen.
Quelle: Westfalenblatt Lübbecke Michael Nichau | Fotos: Michael Nichau
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Dauergäste im Tierheim Lübbecke
5. März 2014
Tierheim AktuellAktuelles von unseren Hunden
Von Sandra Spieker | Neue Westfälische
Sie heißen Sultan, Freddy oder Kasper und haben in ihrem Tierleben noch nicht viel Glück gehabt, wurden herumgereicht, falsch behandelt - oder auch geärgert. Sie sind sozusagen die "Sorgenkinder" im Lübbecker Tierheim und warten dort schon seit einiger Zeit auf ein neues Herrchen oder Frauchen - manchmal schon seit Jahren.
Sultan sitzt ganz ruhig in seinem Zwinger und schaut sich seine Besucher genau an. Das laute Kläffen kommt von seinen vierbeinigen Nachbarn. Als die Tür aufgeht, beginnt er mit dem Schwanz zu wedeln, hält still, um sich anleinen zu lassen und und schnappt sich seinen roten Spielball. Dann geht?s ab in die Felder am Industriegebiet zum Spaziergang.
Sultan ist so ein Sorgenkind des Tierheims. Schon seit August 2010 wohnt der Schäferhund-Malinois-Mix dort. "Dabei ist er so ein lieber Kerl", sagt Tierheimleiterin Britta Lohmeyer. Problem: Sultan sucht sich die Menschen aus, die ihn anfassen dürfen. Zugeschnappt habe er auch schon einmal. Mit den meisten Menschen - auch Kindern - kommt er aber gut aus. Und trotzdem: Seitdem Sultan vor fast vier Jahren von seinem Besitzer, der zu viele Hunde hielt und ihn abgeben musste, ins Tierheim gebracht wurde, wollte ihn niemand haben. Dabei hat der elfjährige Rüde viele Fans, die ihn regelmäßig ausführen. Er bekommt auch seine ganz eigene Futtersorte gesponsert.
"Natürlich gibt es immer viele Anfragen nach kleinen Schmusehunden", erklärt Britta Lohmeyer. Wenn die allerdings mal ins Tierheim kommen, sind sie schon wieder so gut wie vermittelt. Mit Kaspar ist es anders. Der neunjährige Schäferhund wurde von den Behörden als gefährlich eingestuft. Er war ein typischer Schutzhund, lebte einst mit Obdachlosen in einem Park und verteidigt sein Revier gut.
Außer den 27 Hunden leben Kaninchen, Meerscheinchen und 24 Katzen im Lübbecker Tierheim. Eine von ihnen ist Milena. Sie hat ein ganz ruhiges Gemüt, liegt am liebsten auf ihrer Bank oder räkelt sich in der Sonne. Die Maine-Coon-Katze gehört mit zehn Jahren schon zu den betagteren Damen im Tierheim. Die Rasse ist generell sehr beliebt - nicht zuletzt durch das buschige und flauschige Fell. Milena sei äußerst sozial und anderen Katzen gegenüber positiv eingestellt. Und kastriert sei sie auch, sagt Britta Lohmeyer.
Manchmal gebe es auch Tiere, die ein neues Zuhause fänden, dann aber wieder im Heim landen würden. Freddy ist so ein Fall. Der Labrador-Boxer-Mischling war einst Tierheimgast, zog dann in seine neue Familie, die ihn nach fünf Jahren wieder abgab, weil sie (menschlichen) Nachwuchs bekam.
Egal, wie Hund oder Katze ticken, ob die Tiere krank sind oder gesund: Generell sollten Interessenten mindestens drei- bis viermal vor Ort gewesen sein, um sich mit dem Tier zu beschäftigen, sagt Britta Lohmeyer. Dann erst bestehe die Möglichkeit, es gegen eine Schutzgebühr mit nach Hause zu nehmen. "Und wenn wir den Eindruck haben, dass es absolut nicht passt, dann sagen wir das auch".
An der Pinnwand hängen Bilder, die Menschen mit ihren Haustieren zeigen. "Danke für meinen Schatz", steht auf einem. Es zeigt einen kleinen Jungen, der mit seinem Kater kuschelt. Die geben Britta Lohmeyer immer wieder neuen Mut - für Fälle wie Sultan.
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